Im Juni dieses Jahres wurde mir das Gerät endlich geliefert. Ich war mit dem Vorgänger, dem Mooltipass Mini, immer sehr zufrieden. Um es kurz zu machen: das bin ich mit dem Nachfolger ebenso. Jedoch ist es nicht die eierlegende Wollmilchsau geworden, auf die ich mich damals schon irgendwie gefreut habe, als ich das Projekt bei Kickstarter unterstützt habe.

Ich gehe in diesem Beitrag nun nicht auf jedes Detail ein. Das habe ich schon recht ausführlich im Beitrag zu dessen Vorgänger getan. Hier soll es nun darum gehen, worin die Unterschiede zum Vorgänger liegen, was das neue Gerät gut und was es nicht so gut macht. Ich hoffe, ich kann euch das mit diesem Beitrag ein wenig erläutern.

The good…

Der Mini BLE hat, wie es der Name schon andeutet, Bluetooth Funktionalität und einen eingebauten Akku. Man braucht also nicht mehr zwingend ein USB-Kabel, um seine Passwörter zu speichern und eingeben zu lassen. Außerdem hat das Gerät nun ein helleres und schöneres Display. Die Geräteform ist leicht anders, etwas länger und für meine Begriffe gefälliger. Die Smartcards werden jetzt unten anstatt oben eingesteckt. Zudem sehen die neuen Smartcards etwas hübscher aus, sind von der Funktionalität her jedoch gleich.

Zusätzlich zum Vorgänger kann man nun auch endlich längere Passwörter mit maximal 64 anstatt 31 Stellen speichern. Außerdem lassen sich kleine Dateien und auch Notizen auf dem Mooltipass Mini BLE speichern und verwalten. Darüber hinaus unterstützt das Gerät jetzt auch FIDO2/WebAuthn (nur per USB) sowie TOTP. Das ist alles schön und funktioniert auch, allerdings nicht immer ohne kleine Umständlichkeiten. Dazu später mehr.

…and the bad

Das größte Manko ist – meiner Meinung nach – der zu schwache Akku. Der Hersteller gibt 2-7 Tage Akku-Laufzeit an. Das kommt zwar auch so hin und liest sich auch ganz ok, allerdings ist der Akku trotzdem gefühlt ständig leer. In der dazugehörigen Companion App Moolticute gibt es auch eine Funktion, mit der man den Akku komplett entleeren und wieder aufladen kann, um den Akku zu konditionieren. Das habe ich auch schon mal durchlaufen lassen, allerdings brachte es bei mir keine Besserung. Da ich jedoch sowieso mehrere USB-Ladekabel in der Nähe meines Rechners liegen habe, kann ich den Mooltipass auch ohne Probleme zwischendurch mal aufladen. Nutzbar ist er in der Zeit dank Bluetooth ja immer noch. Dennoch ist es irgendwie ärgerlich.

Ärgerlich ist auch, dass in all den Monaten, seit das Gerät mittlerweile auf dem Markt ist, die Browser-Plugins noch immer nicht alle Funktionen unterstützen. So lassen sich direkt im Browser (per Plugin) nach wie vor nur Passwörter bis maximal 31 Stellen speichern und eingeben. Das geht nur über Moolticute.* Auch kann man die TOTP nicht direkt über einen eigenen Menüpunkt am Gerät oder über das Plugin eingeben lassen. Hierzu muss man, nachdem Name und Passwort bereits eingegeben wurden, noch einmal per Hand am Gerät auf Login gehen. Der Mini BLE zeigt nun glücklicherweise schon die zuletzt genutzte Website an. Jetzt drückt man auf das Drehrad und verneint die Eingabe von Name und Passwort, bis man gefragt wird, ob man das TOTP eingeben möchte. Hier bestätigt man und hofft, dass die 30 Sekunden, in denen das TOTP gültig ist, noch nicht abgelaufen sind. Das sieht man nämlich nirgends. In der Regel klappt das, aber es kann sein, dass man es noch einmal machen muss, sollte man das Zeitfenster verpasst haben.

Schade, aber vermutlich technisch nicht anders lösbar, ist die Geschwindigkeit des Geräts im Bluetooth Modus. Beim Eingeben von Passwörtern ist das alles kein Problem, wenn man aber in Moolticute seine Passwörter verwalten oder eine Sicherung seiner Datenbank anlegen möchte, dann dauert das gefühlt eine Ewigkeit. Per USB verbunden geht das alles recht zügig – wie vom Vorgänger gewohnt. Auch wirkt die Bedienung des Geräts etwas langsamer als beim alten Mooltipass. Der alte war direkter, der neue ist dafür “smoother”. Man kann die Eingabe und Boot Animationen über Moolticute auch deaktivieren, allerdings erscheint mir die Bedienung auch dann noch nicht so direkt wie beim Vorgänger.

Ist das Teil wirklich so schlecht?

Wenn man sich nun ansieht, was ich oben alles an Negativpunkten aufgeführt habe, könnte man vermutlich zu dem Schluss kommen, dass das Gerät nicht gut sei.

Nein, natürlich nicht.

Das stimmt so natürlich nicht. Das Gerät funktioniert. Verlässlich. Es ist gut verarbeitet, fühlt sich wertig an und sieht gefällig aus. Man kann es per USB-C Kabel direkt an ein Smartphone anschließen und als Tastatur benutzen. Das funktioniert so zumindest bei Android Geräten problemlos. Bei iPhones weiß ich es nicht, da ich keines besitze. Auch wenn man den Mooltipass Mini BLE direkt per Bluetooth als Tastatur einbinden kann, arbeitet der Hersteller aktuell an einer App, mit deren Hilfe man unter Android die Autofill Funktion per Bluetooth nutzen kann. Wenn der Mooltipass per USB verbunden ist, und man per Hand Logindaten eingeben lassen will, fragt das Gerät, ob man die Daten über die USB-Schnittstelle oder über Bluetooth übertragen möchte. So kann man auch mit einem Passwortspeicher zwei unterschiedliche Computer oder Smartphones bedienen ohne umstecken zu müssen.

Mooltipass und alles, was dazu gehört befindet sich immer noch aktiv in Entwicklung und ich bin mir sicher, dass hier noch vieles passieren bzw. dazukommen wird. Toll fände ich es, wenn man die TOTP auch direkt über das Browser-Plugin abspeichern könnte, anstatt über den Umweg Moolticute.

Wie sieht ihr das? Nutzt ihr auch den aktuellen Mooltipass Mini BLE oder bleibt ihr beim Vorgänger? Wie gefällt euch das Gerät? Schreibt mir gerne einen Kommentar.


* Ergänzungen:

  • 30.12.2021 Das Browserplugin für Firefox wurde zwischenzeitlich angepasst und unterstützt ab der Version 1.10.8 nun auch Passwörter bis zu 64 Stellen. Die Erweiterungen für Chrome und Opera sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angepasst worden. Ich gehe davon aus, dass diese in Kürze ebenfalls ein Update erhalten werden.
  • 15.01.2022 Das Plugin für Chrome wurde zwischenzeitlich auch auf 1.10.8 aktualisiert.
  • 16.03.2022 Heute wurde die Firmware v8 veröffentlicht, die hauptsächlich Probleme mit der schwachen Akkuleistung und Probleme beim Bluetooth Pairing beheben soll.
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